“Aus gegebenem Anlaß” mußte ich mich ein wenig intensiver mit den PDF-”Boxen” bzw. -”Rahmen”beschäftigen. Es handelt sich dabei um die Information über die Abmessungen des Dokumentes. Dabei kann ein PDF durchaus mehrere Formatangaben enthalten. Denkt man etwa an ein PDF für den Druck, dessen bedruckte Fläche größer sein muss als das Endformat, um einen “Anschnitt” für die spätere Verarbeitung zu haben.
Die erste Schwierigkeit ist hier die Bezeichnung dieser Rahmen in den verschiedenen Adobe-Programmen. Eindeutig sind die englischen Termini:
Media Box
Kein anderer Rahmen darf größer sein als die Media Box und sie muss in jedem PDF enthalten sein.
Crop Box
beschreibt den Bereich des PDFs, der am Bildschirm oder auf einem Druck ausgegeben werden soll. Meist hat sie die gleiche Größe wie die Media Box.
Bleed Box
beinhaltet die Information über die Größe des Endformates zuzüglich des vorgesehenen Anschnittes
Trim Box
ist das Endformat des Dokumentes
Art Box
beschreibt die Maße eines platzierten Bildes.
Die meisten PDFs enthalten nicht alle diese Boxen. Häufig sind Media-, Crop- und Bleedbox, so überhaupt vorhanden, gleich.
Zu den terminologischen Schwierigkeiten trägt auch Adobe bei, da die Übersetzungen in den Programmen nicht für sich sprechen und darüber hinaus in den verschiedenen Programmen der Creative Suite auch noch unterschiedlich benannt werden.
PDFs importieren…
In InDesign begegnet man diesem Thema beim Platzieren von PDFs.
Mit eingeschalteten Importoptionen werden verschiedene Optionen, das PDF zu beschneiden, angeboten.


Objekt.Beschneiden.Zuschneiden.Anschnitt.Medien. (Sind bestimmte Rahmen im PDF nicht definiert, so wird diese Option grau dargestellt.)
Die Übersetzung der englischen Begriffe ist hier etwas unglücklich. Insbesondere “Beschnitt”, “Zuschnitt”, “Anschnitt” machen nicht unbedingt deutlich, was gemeint ist.
In Acrobat 8 (auch in Adobe Reader) muss unter eingestellt werden, dass die Rahmen sichtbar sind.
Die Informationen über die Rahmen können in Acrobat unter gesehen und geändert werden. Hier stellt sich erneut die Frage, welche deutschsprachigen Begriffe den englischen Originalen entsprechen:

Beschnitt-Rahmen. Objekt-Rahmen. Endformat-Rahmen. Anschnitt-Rahmen.
In Illustrator werden wir beim Platzieren von PDFs mit den Boxen konfrontiert:

Bildmaterial. Beschneiden. Überlappungsbereich entfernen. Anschnitt. Medien
In Photoshop kommen die Boxen beim Öffnen von PDFs zum Tragen:

Medienrahmen. Maskenrahmen. Anschnittrahmen. Endformat-Rahmen. Objektrahmen.
Um meine Sprachverwirrung zu beenden, habe ich als Spickzettel eine Tabelle mit den jeweiligen Bezeichnungen für die Rahmen erstellt:

Als zusätzliche Option gibt es den “Begrenzungsrahmen”. Wird dieser ausgewählt, so wird beim Importieren bzw. Öffnen der weisse Rand entfernt. In Acrobat repräsentiert die “Seitengröße” die Mediabox.
… und PDFs exportieren
Der “gegebene Anlass” war die Anforderung, dass die Mediabox bei den PDFs größer sein sollte als die Bleed Box. Die PDF-Spezifikationen verlangen eignetlich nur, wie bereits erwähnt, dass keine andere Box größer sein darf als die Mediabox, also die Bleedbox durchaus gleich groß wie die Mediabox sein kann.
Hintergrund dieser Anforderung ist vermutlich InDesign CS1/2. Denn dort kann es vorkommen, dass durch Rundungsfehler die “TrimBox und BleedBox geringfügig größer sind als die MediaBox“, was im weiteren Workflow zu Fehlermeldungen führen kann.
Die nächste Frage ist dann: wie kann in InDesign die Größe der Rahmen beeinflusst werden?
Naheliegend ist die Trim Box, die ja bekanntlich der Endformatrahmen ist, also in InDesign unter festgelegt werden kann.
Die Bleed Box, laut Definition Endformat + Anschnitt wird demnach durch die Angaben unter bestimmt.
Die Media Box ist die größte Box im PDF. Sie hat häufig die gleiche Größe wie die Bleed Box. Sie wird in InDesign unter anderem beeinflusst durch die Angaben beim Offset der Druckermarken.

Entsprechend weit abgesetzte Druckermarken vergrößern die Media Box des PDFs. Durch die Eingabe eines Offsets von 15mm bei diesem Beispiel liegen die Marken hier außerhalb des Anschnitts (blaue Linie)
Schließlich hat die Crop Box die gleichen Maße wie die Media Box. Eine Art Box gibt es bei InDesign PDFs nicht.
Wenn die PDFs ohne Druckermarken geliefert werden sollen, scheidet die Möglichkeit, die Media Box durch einen größeren Offset der Druckermarken zu vergrößern, aus. Ein zweite Möglichkeit besteht beim “Drucken” in eine Postskript-Datei. Was dort nämlich als “Papierformat” gehandelt wird, ist im späteren PDF die Media Box.

Beim Schreiben einer Postskript-Datei wird das “Papierformat” automatisch aus den Formatinformationen des Dokumentes ermittelt. Die Werte in Klammern können aber modifiziert werden. Durch eine Vergrößerung des Papierformates wird hier die Media Box im PDF vergrößert.
Schließlich entdeckte ich noch eine weitere Möglichkeit, die Media Box größer zu machen als die Bleed Box. Neben dem Anschnitt bietet InDesign beim Einrichten eines Dokumentes auch noch die Möglichkeit, einen “Infobereich” zu definieren.

Danach kann im Bereich Marken und Anschnitt beim PDF-Export bzw. Druck-Dialog angegeben werden, dass dieser Infobereich einbezogen also bei der Ausgabe berücksichtigt werden soll.

Ist der Infobereich, wie hier im Beispiel, größer gewählt als der Anschnitt und wird bei der Ausgabe berücksichtigt, so wird die Größe der Media Box aus der Summe aus Endformat plus Infobereich ermittelt.

Gegenüberstellung der Einstellungen im InDesign-Dokument mit ihren Entsprechungen bei den PDF-Boxen.